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Bad Saulgau

Kunst und Kultur spielen in Bad Saulgau traditionell eine große Rolle. Die Stadt hat sich nicht nur mit ihrer Theatergemeinde oder den legendären Treffen der ›Gruppe 47‹ einen Namen gemacht, sondern vor allem im Bereich der Bildenden Kunst. Die Galerie ›Fähre‹ ist untrennbar mit der Kunst des 20. Jahrhunderts in Oberschwaben verbunden.

Angefangen hat alles 1947. Auf Initiative der französischen Besatzungsmacht wurde ein ›Centre d’Information‹ gegründet, das nach der Nazi-Diktatur die Demokratisierung der Deutschen sowie die Aussöhnung der ehemaligen ›Erbfeinde‹ zum Ziel hatte. Unter dem symbolträchtigen Namen ›Museum – Die Fähre‹ entstand ein Ort der Bildung und Begegnung, der in den folgenden Jahren vor allem als Galerie bekannt wurde.

Von Anfang an einem anspruchsvollen Programm verschrieben, hat sich die ›Fähre‹ bald zu einer der ersten Ausstellungsadressen in Oberschwaben entwickelt. Schon die zweite Ausstellung 1947 mit Werken von Pierre Bonnard, Paul Sérusier, Édouard Vuillard und Jan Verkade, den sogenannten ›Nabis‹, war eine kleine Sensation. Und früh zeigte sie mit Max Ackermann, Max Beckmann, Emil Nolde, Paul Klee oder Otto Dix bedeutende Vertreter der klassischen Moderne sowie mit Max Bill, Almir Mavignier, Josef Albers und Richard Paul Lohse Wegbereiter der Konkreten Kunst. Daneben war sie immer auch Forum der regionalen Kunst, in dem ehemals verfemte Künstler wie Wilhelm Geyer oder Karl Caspar eine neue Heimat fanden.

Nicht nur im renommierten Oberschwäbischen Kunstpreis, der hier 1951 erstmals vergeben wurde, manifestiert sich die besondere identitätsstiftende Rolle, die die ›Fähre‹ zwischen Donau und Bodensee einnimmt, sondern auch in der städtischen Sammlung ›Kunst in Oberschwaben seit 1900‹, die sich aus ihrer langen Ausstellungstätigkeit ent­wickelt hat.

Ihre nunmehr über 70-jährige Geschichte hat die ›Fähre‹ zu einem festen Bestandteil der süddeutschen Kunstlandschaft gemacht. Seit 2010 befindet sie sich im ›Alten Kloster‹, einem vorbildlich sanierten, ehemaligen Franziskaner­konvent aus dem 17. Jahrhundert. Zusammen mit Stadtbibliothek, Musikschule und Konzertsaal bildet sie ein attrak­tives und lebendiges Kulturzentrum, in dem sich Literatur, Musik und Bildende Kunst begegnen und das die Gründungsidee der ›Fähre‹ auf zeitgemäße Weise widerspiegelt.

Andreas Ruess

Skulpturen in Bad Saulgau: