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Bad Schussenried

Das Kloster Schussenried ist bereits seit einigen Jahren die Heimat verschiedener Skulpturen Robert Schads – hier finden sich die allesamt 2003 entstandenen Arbeiten RUTA, BENNEM, KYRGIN, ENFIN und SGRYD. Die Stahlskulpturen stehen in den Grünanlagen vor dem barocken Konventgebäude des ehemaligen Prämonstratenserklosters und stehen in ihrer Schlichtheit in Kontrast zu dem barocken Prunk, der sich im Innern der ehemaligen Klosterkirche St. Magnus und im Klostergebäude selbst zeigt. Wie viele oberschwäbische Reichsabteien war auch das Prämonstratenserstift Schussenried stets bemüht, ein Ort der Künste zu werden. Berühmt bis heute ist die Wallfahrtskirche in Steinhausen, die ›schönste Dorfkirche der Welt‹, deren Baukosten sich von geplanten 9.000 Gulden allerdings auch auf rund 50.000 Gulden steigerten – den Schussenrieder Abt kostete die Kostenexplosion damals zwar das Amt, dem heutigen Kunstfreund bietet sich aber ein bemerkenswertes Gesamtkunstwerk von Architektur, Stuckaturen und Gemälden.

Bereits im verspielten Gewand des Rokoko zeigt sich der bemerkenswerte Bibliothekssaal des Reichsstifts. Ein Festsaal für die Bücher: Hier demonstrierten die Chorherren ihre Wertschätzung für das Wissen. Wie es sich für die Zeit geziemte, war dabei aber alles dem rechten Glauben untergeordnet: In der Mitte des mächtigen Deckenfreskos thront das Lamm auf dem Buch mit den bis heute sprichwörtlichen sieben Siegeln. Diesem Symbol göttlicher Weisheit war alles irdische Wissen – und auch die Kunst – untergeordnet. An diesem Selbstverständnis rüttelte zur gleichen Zeit die Aufklärung bereits gewaltig; der heutigen Kunst könnte diese Idee ferner nicht sein.

Jürgen Kniep