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Inzigkofen

In Inzigkofen treten drei Skulpturen von Robert Schad in Dialog mit einer der wohl beeindruckendsten Stätten weib­lichen Klosterlebens und der Frömmigkeit über ein halbes Jahrtausend hinweg in Oberschwaben. Die weitgehend unverfälscht erhaltene und in den letzten Jahren denkmal­gerecht sanierte Anlage des ehemaligen Augustinerchorfrauenstifts mit Kirche, Kreuzgang, Konvents- und Wirtschaftsgebäuden sowie einer 900 Meter langen Klausurmauer umfasst bauliche Bestandteile von der Gotik über das dominierende Barock bis zum Klassizismus. In der Mitte des 14. Jahrhunderts als bescheidene Beginengemeinschaft entstanden, steigt das Kloster im 15. und 16. Jahrhundert zu einem spirituell ausstrahlenden und mit einem zeitweise hohen Frauenanteil aus Adel und Stadtpatriziat auch zu einem sozial angesehenen und wirtschaftlich wohlhabenden Stift von regionalem Rang auf. Im Spätmittelalter ist Inzigkofen ein Zentrum der schwäbischen Frauenmystik mit einer bedeutenden Handschriftensammlung und einer für das mystische Anliegen der Vereinigung der liebenden Seele mit dem göttlichen Herrn stehenden Christus-Johannes-Gruppe. Im Barock zeichnet sich der Konvent durch eine hochstehende Musikkultur und ein höchst produktives weibliches Kunstschaffen aus. Im Gefolge der Säkularisation kommt das klösterliche Leben in Inzigkofen bis 1856 zum Erliegen und der reiche Besitz des Frauenstifts fällt an den Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen. Seit mittlerweile 70 Jahren beherbergt das ehemalige Kloster eine Heim-Volkshochschule, die als Stätte der vor allem musischen Erwachsenenbildung in Wochenkursen jährlich von rund 3000 Kursteilnehmern aus ganz Deutschland und den Nachbarländern besucht wird. In die innere Klausurmauer ist die barocke Einsiedlerkapelle mit einem schönen Verkündigungsfresko integriert.

Edwin Ernst Weber

Skulpturen in Inzigkofen: