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Oberdischingen

Geschichte und Baukunst prägen den an der Oberschwäbischen Barockstraße gelegenen einzigartigen Ort. Bekannt wurde Oberdischingen durch das Geschlecht Schenk von Castell, das von 1661 bis 1851 ortsbildprägend war: Kanzleibau 1767, Herrengasse 1777–1787, die klassizistische Pfarrkirche 1800, ein Zentralbau, und die Wallfahrtskapelle 1713/93 gehen auf die Zeit des Franz Ludwig Schenk von Castell, besser bekannt unter dem Namen ›Malefizschenk‹, zurück. Er residierte ab 1764 und erwarb sich durch die Gerichtsbarkeit (1784–1806) seinen Beinamen. Gericht wurde hier gesprochen und ca. 40 Hinrichtungen vollzogen. Seine Häscher waren in ganz Oberschwaben gefürchtet. Sie machten die kleineren und größeren Verbrecher dingfest und brachten sie zur Gerichtsverhandlung nach Oberdischingen. Gefängnis- und Zuchthausstrafen, aber auch Hinrichtungen durch das Schwert oder am Galgen, wurden hier ausgesprochen.
Durch die Herrengasse, in der die Skulptur BORNI steht, erhielt der Ort auch den Beinamen ›Klein-Paris‹. Zehn im französischen Mansardenstil errichtete Gebäude – fünf auf jeder Seite – wurden für die ›Herren‹, d. h. Apotheker, Gerichtsdiener, Gefängnisarzt, Justizrat, aber auch für seine Professionisten, die Handwerker (u. a. Schmied, Küfer, Bäcker, Metzger) errichtet. Der ehemalige Gasthof ›Zum Löwen‹ und die Apotheke bilden durch ihre stattliche Größe das Eingangstor zur Herrengasse.
Die Kuppelkirche Zum Hl. Namen Jesu gehört mit ihrem Grundriss eines griechischen Kreuzes und den Steinreliefs mit der Passion Christi (1501) zu den herausragenden Bauwerken Süddeutschlands.

Andreas Blersch

Skulpturen in Oberdischingen: