Zurück zur Karte

Ochsenhausen

Das Benediktinerkloster Ochsenhausen gehörte zu den bedeutenden Reichsabteien Oberschwabens: Die hiesigen Äbte herrschten nicht nur über ein beträchtliches Territorium, sondern schufen vom Mittelalter bis zur Aufhebung des Klosters auch bemerkenswerte Kunstwerke zur höheren Ehre Gottes. Auf der weitgehend erhaltenen barocken Klosteranlage – neben Kirche und Wohngebäuden finden sich unter anderem auch Marstall, Bräuhaus, Fruchtkasten und dergleichen – werden temporär drei Kunstwerke Robert Schads ihren Platz finden: PALUT aus dem Jahr 2014, FERRENTS von 2016 und RUMONE aus dem Jahr 2019.
Die Klosteranlage macht die Veränderungen deutlich, die die Kunstlandschaft Oberschwabens über die Jahrhunderte hinweg immer wieder erfuhr: Die romanische Kirche des späten 11. Jahrhunderts musste rund 400 Jahre später einem zeitgemäßen, damals gotischen Bau weichen. Bereits in den 1660er-Jahren setzte allerdings die Barockisierung ein – die gotischen Kunstwerke wurden entfernt, darunter herausragende Bildhauerwerke der Ulmer Schule. Nahezu acht Jahrzehnte lang wurde die Kirche nun immer weiter im Stil der jeweiligen Epoche verändert, über das Rokoko bis zum Frühklassizismus.

Im reinen Klassizismus tritt dem Besucher des Klosters der Bibliothekssaal entgegen – der letzte Abt des Klosters wünschte eine Ausstattung des ehrwürdigen Saales »auf antique Art«, also ganz der zeitgemäßen Mode entsprechend dem Vorbild des klassischen Altertums verpflichtet.
Das Kloster Ochsenhausen zeigt sich damit als zentrales Beispiel des oberschwäbischen Barock, verweist aber zugleich auf die ständige Offenheit gegenüber neuen Strömungen der Kunst – die Arbeiten Robert Schads reihen sich hier gleichsam in eine jahrhundertelange Tradition ein.

Jürgen Kniep

Skulpturen in Ochsenhausen: