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Sigmaringen

Das 1077 erstmals genannte Sigmaringen geht auf eine Burg zurück, die ein in Sigmaringendorf ansässiges Hochadels­geschlecht in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts Donau-aufwärts auf einem strategisch günstig gelegenen Felssporn oberhalb des Flusses anlegte. Aus der Burgsiedlung erwuchs in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine planmäßig angelegte Stadt, die bis in das 19. Jahrhundert auf dem Stand einer bescheidenen Ackerbürgersiedlung ohne nennenswertes Gewerbe und Handel verharrte. Auf den Übergang der Herrschaft an die Habsburger um 1290 folgten Verpfändungen von Burg, Stadt und der damit verbundenen Herrschaft (seit 1460 Grafschaft) u. a. 1323 an Württemberg und von diesem 1399 an die Grafen von Werdenberg. Nach deren Aussterben werden Stadt und Grafschaft Sigmaringen als österreichisches Lehen an die Grafen von Zollern verliehen, die in der neu erworbenen Residenz im ausgehenden 16. Jahrhundert eine eigene Linie begründen. Die frühneuzeitliche Geschichte Sigmaringens ist geprägt von einem spannungsreichen Dreiecksverhältnis zwischen den hohenzollerischen Ortsherren, der eine beträchtliche kommunale Autonomie erstreitenden Stadtgemeinde und der österreichischen Lehens- und Landesherrschaft.

Nach dem überraschenden Aufstieg der beiden hohenzollerischen Fürstentümer zu souveräner Staatlichkeit 1806 erfolgt durch fürstliche Initiative in den 1840er Jahren der Ausbau Sigmaringens zu einer repräsentativen Residenz- und Landeshauptstadt, die nach dem Übergang an Preußen 1849/50 zum Verwaltungszentrum des neu gebildeten Regierungsbezirks der Hohenzollernschen Lande wird und mit der Anbindung an das Eisenbahnnetz seit 1873 auch wirtschaftliche Impulse, indessen keine Industrialisierung erfährt. Den Charakter einer Beamten- und Schulstadt bewahrt sich das seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in Siedlungsraum und Einwohnerzahl kräftig expandierende Sigmaringen über alle staatlichen und verwaltungsmäßigen Umbrüche bis heute. Von September 1944 bis April 1945 ist Sigmaringen Sitz der mit Nazi-Deutschland kollaborierenden französischen Vichy-Regierung.

Herausragende Sehenswürdigkeiten hat Sigmaringen mit dem von einem historisierenden Um- und Neubau der Jahre 1893–1908 bestimmten, stadtbildprägenden Schloss, der 1756/57 barock gestalteten Stadtkirche St. Johann, dem barocken Zentralbau der Josefskapelle auf dem Josefsberg hoch über Stadt, dem klassizistischen Residenz- und Verwaltungszentrum am Leopoldplatz und in der Karlstraße sowie der 1889 neoklassizistisch umgewandelten Hedinger Erlöserkirche mit einem monumentalen Kuppelbau und der Grablege des Hauses Hohenzollern zu bieten.


Edwin Ernst Weber

Skulpturen in Sigmaringen: