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Waldburg

Die Waldburg gilt wie sonst vielleicht nur noch der Bussen als ein Wahrzeichen Oberschwabens. Auf einem Drumlinhügel 772 Meter über Meereshöhe am Südrand des Altdorfer Waldes gelegen, ist sie in weitem Umkreis markanter Blickpunkt. Sie war Sitz und Namensgeberin der aus dem Ministerialenstand zu gräflichen, 1803 dann sogar zu fürstlichen Würden aufgestiegenen Familie der Truchsessen von Waldburg.
Die Anfänge des Baus lassen sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen. 1220 vertraute Kaiser Friedrich II. den Truchsessen die Reichskrone und weitere Reichskleinodien an. Zwei Jahrzehnte lang wurden sie sicher auf der Waldburg verwahrt.
Der Palas geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Bis 1401 entstand das Kapellengebäude. Im 16. Jahrhundert wurde die Burg zu einem schlossähnlichen Wohn- und Herrschafts­sitz umgebaut. Aus dieser Zeit stammen die heutige Raumaufteilung mit regelmäßigen Kreuzstockfenstern, der Wendeltreppenturm mit steinerner Treppenspindel sowie ein Teil der Holzdecken, Wandverkleidungen und Türrahmungen.
Bauherr war damals Truchsess Georg IV. Er, der ›Bauernjörg‹, war als Feldherr des Schwäbischen Kreises gegen die aufständischen Bauern verantwortlich für das Niederwerfen dieser »Revolution des Gemeinen Mannes« (Peter Blickle).
Seine Nachfahren öffneten das Gebäude seit dem 19. Jahrhundert der Öffentlichkeit. Hochwertige, von einer Goldschmiedin geschaffene Nachbildungen von Reichskrone, Zepter, Reichsapfel und Heiliger Lanze sind auf der Burg ausgestellt. Kunstwerke und Alltagsobjekte vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert, ausschließlich Originale aus waldburgischem Familienbesitz, sind in der Dauerausstellung zu sehen. Angemeldete Gruppen erhalten eine Führung durch die Ausstellung und die historischen Räume. Auf dem Palasdach gibt es eine Altane. Sie wurde Anfang des 19. Jahrhunderts als trigonometrischer Punkt für die Vermessung des Königreichs Württemberg geschaffen. Von hier aus bietet sich ein seltener Blick über das Oberland, den Bodensee und die gesamte Alpenkette. Dank der ganzjährig aktiven Gastro­nomie kann man heute auf der Waldburg speisen, Feste feiern und übernachten.

Von der Kreuzung Hauptstraße/Amtzeller Straße aus ist der Ort Waldburg, von der Burg landschaftlich dominiert, gut zu überblicken. In Waldburg kann man einkehren; es ist ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen. Wer länger verweilt, stößt übrigens auf Überraschendes: eine Genuss­manufaktur, in der sich die oberschwäbischen Streuobstwiesen in Form von Balsamen, Säften und Schaumweinen verkosten lassen, ein privates Museum für Indianistik, eine kleine Sternwarte. Südlich der Kreuzung erhebt sich der sogenannte Kohlenberg, der als Drumlinhügel ein niedrigeres Pendant zum Burgberg bildet und jener ein Zeuge der letzten Eiszeit ist. Als eingetragenes Naturdenkmal darf er nicht bebaut werden. Es lohnt sich, Schritt für Schritt hinauf­zusteigen und wahrzunehmen, wie sich die Aussicht auf Burg, Ort, Umgebung und Bergkette – 2019 auch auf die Skulptur LORNI von Robert Schad ändert.

Maximilian Eiden

Skulpturen in Waldburg: