Zurück zur Karte

Weingarten

Das Verhältnis der baulich aneinander anschließenden Städte Weingarten und Ravensburg ist nicht ohne Rivalität. Hier das aus dem Bezirk des mächtigen Klosters auf dem Martinsberg und aus Altdorf, dem Sitz der Landvogtei an der Scherzach zusammengewachsene Weingarten, lange von einer großen Garnison und bis heute von Industrie geprägt – kleiner, weniger wohlhabend, räumlich eingeschränkt. Dort die doppelt so viele Einwohner zählende, selbstbewusste ehemalige Reichsstadt. Beide sind sowohl für sich – mit Pädagogischer Hochschule und Dualen Hochschule Baden-Württemberg – wie auch gemeinsam – mit der [Fach-]Hochschule Ravensburg-Weingarten – Hochschulstandorte.
Baulich ist der Übergang besonders im Nord- bzw. Südosten der Stadtgebiete einigermaßen harmonisch. Dort folgen, von Norden nach Süden, das 14-Nothelfer-Krankenhaus, die Berufsschulen, das Krankenhaus St. Elisabeth und der Bereich der Ravensburger Schulen aufeinander, verbunden durch Wohngebieten.
Die Waldseer Straße, die in die Gartenstraße übergeht, ist wie die weiter westlich verlaufende B 30 verbindende Verkehrsader. Doch gerade der Bereich zwischen den beiden großen Straßen, die Ravensburger Nordstadt und die Weingartener Südstadt also, weisen als Industrie- und Gewerbe­zone viel städtebauliche Ödnis und architektonische Missgriffe auf. Da ist es gut, wenn durch markante Bauten Gegengewichte gesetzt werden, die als Vorbild auf die Um­gebung wirken können.
Ein solcher Meilenstein ist die Zentrale von CHG-Meridian auf der Weingartener Seite der Stadtgrenze. 1979 hatte der Programmierer Jürgen Gelf eine Idee: Statt gebrauchte Großrechner zu verschrotten oder zu recyceln, müssten diese an­­spruchsvollen Anlagen sich doch auch für Mehrfachver­marktung eignen. Er begann, sie über Miete und Leasing weiterzuvertreiben. Schnell zeigte sich das Potential der Idee; so entstand die CHG Computer-Handels-Gesellschaft mbH. Alle Innovationssprünge im Hardwarebereich, vom Siegeszug des PCs angefangen, hat das Unternehmen in den folgenden Jahr­zehnten in sein Modell integrieren können. Firmenzukäufe und Eröffnungen von Tochtergesellschaften in heute 20 Ländern sowie neue Geschäftsbereiche gehören zu diesem Weg.
Sichtbaren Ausdruck fand der Erfolg in der 2003 bezogenen Unternehmenszentrale von walter huber Architekten in Zusammenarbeit mit Daller Architekten entworfen. Der erste Bauabschnitt besteht aus einem viergeschossigen Bug und einer neungeschossigen schlanken Hochhausscheibe. 
Die Anlage nimmt die vorhandene rechtwinklige Struktur der Gewerbebauten an der Ravensburger Straße auf. Die Bauglieder sind nach oben gestaffelt. So entsteht eine Raumgeste, die Monumentalität in Signalwirkung übersetzt. Dabei trumpft die Architektur nicht auf, sondern signalisiert mit getöntem Glas und schwarzem poliertem Granit Gelassenheit und Offenheit. Etwa 270 Mitarbeiter finden hier Platz. Im Mai 2016 wurde der Erweiterungsbau mit weiteren 250 Arbeitsplätzen eröffnet.

Maximilian Eiden

Skulpturen in Weingarten: